Wohneigentumsförderung

Grundsatz

Aktive erwerbsfähige Versicherte können bis 3 Jahre vor Entstehung des Anspruchs auf Altersleistungen von ihrer Vorsorgeeinrichtung einen Teil ihres Altersguthabens für den Erwerb von Wohneigentum zum eigenen Bedarf geltend machen.

Verwendungszweck
Mittel aus der beruflichen Vorsorge können wie folgt verwendet werden:

  • Erwerb und Erstellung von Wohneigentum
  • Rückzahlung von Hypothekardarlehen
  • Erwerb von Anteilsscheinen einer Wohnbaugenossenschaft oder ähnlichen Beteiligungen

Die Finanzierung ist nur für selbstgenutztes Wohneigentum (Eigenbedarf) möglich. Dies bedeutet, dass es sich um am Wohnsitz oder am gewöhnlichen Aufenthaltsort genutztes Wohneigentum handeln muss. Nicht möglich ist der Vorbezug für Zweit- oder Ferienwohnungen. Ebenfalls nicht möglich ist der Bezug zur Begleichung des gewöhnlichen Unterhalts, das Bezahlen der Hypothekarzinsen oder der Steuern, welche mit dem Vorbezug fällig werden.

Vorbezug

Die Geltendmachung des Vorbezugs hat mittels schriftlichen Gesuchs an die Vorsorgeeinrichtung zu erfolgen. Der Ehepartner hat zuzustimmen.

Der Mindestbetrag für einen Vorbezug beträgt CHF 20'000.-. Ein Bezug kann alle 5 Jahre geltend gemacht werden (Ausnahme für Bezug von Anteilsscheinen an Wohnbaugenossenschaften oder ähnlichen Beteiligungen sowie bei Freizügigkeitseinrichtungen).

Bis zum Alter 50 kann das gesamte Vorsorgeguthaben (Freizügigkeitsleistung) bezogen werden. Ab Alter 50 kann die Hälfte der aktuellen Freizügigkeitsleistung bezogen werden oder – wenn höher – das Guthaben im Alter 50. Die Vorsorgeeinrichtung bezahlt den Vorbezug direkt an die Gläubiger der versicherten Person (Bank, Notar, Verkäufer).

Im Grundbuch erfolgt eine Veräusserungsbeschränkung zur Sicherung des Vorsorgezweckes. Diese dient dazu, dass bei Veräusserung des Wohneigentums der Vorbezug an die Vorsorgeeinrichtung zurückbezahlt wird.

Der Vorbezug hat Leistungskürzungen zur Folge. Die Vorsorgeeinrichtung muss der versicherten Person eine Zusatzversicherung zur Erhaltung des Risikoschutzes anbieten oder vermitteln.

Der Vorbezug wird als Kapitalleistung versteuert (die Vorsorgeeinrichtung informiert die Steuerbehörde und die versicherte Person betreffend Vorbezug und Rückzahlung sowie Rückforderungsanspruch).

Der Vorbezug darf bei Unterdeckung der Vorsorgeeinrichtung zeitlich und betragsmässig eingeschränkt, beziehungsweise ganz verweigert werden.

Rückzahlungsrechte und -pflichten bestehen

  • bis 3 Jahre vor Pensionierung.
  • bis Eintritt eines anderen Vorsorgefalles.
  • bis zur Barauszahlung des restlichen Guthabens.
  • bei Veräusserung und wenn Rechte eingeräumt werden.
  • bei Tod ohne Vorsorgeleistung.

Der Mindestbetrag für eine Rückzahlung beträgt ebenfalls CHF 20'000.-. Ist der verbleibende Restbetrag des Vorbezugs tiefer, dann ist der gesamte Restbetrag in einem Betrag zurück zu bezahlen.

Verpfändung

Definition
Verpfändung ist die rechtsgeschäftliche Sicherung einer Forderung durch Bestellung eines Pfandrechts an beweglichen Sachen, Rechten oder Forderungen zugunsten des Pfandgläubigers. Der Pfandschuldner (versicherte Person) räumt dem Pfandgläubiger (beispielsweise Bank, welche Liegenschaft finanziert) die gesetzliche Befugnis ein, den Pfandgegenstand (Sparkapital bei der Pensionskasse) zu verwerten, wenn die gesicherte Forderung fällig ist und nicht beglichen wird.

Zur Wohneigentumsförderung
Eine Verpfändung muss der Vorsorgeeinrichtung schriftlich angezeigt werden. Es besteht kein Mindestbetrag. Der Höchstbetrag entspricht der Regelung beim Vorbezug. Bei einer Pfandverwertung treten die Wirkungen des Vorbezuges ein, da der Pfandgläubiger auf das verpfändete Vorsorgeguthaben greifen kann.

Der Pfandgläubiger hat die schriftliche Zustimmung zu geben für

  • die Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung.
  • die Auszahlung der Vorsorgeleistung.
  • die Teilübertragung bei Scheidung/Auflösung der registrierten Partnerschaft.

Zudem ist der Pfandgläubiger über den Wechsel der Vorsorgeeinrichtung zu informieren.

Gegenüberstellung

VorbezugVerpfändung
Erhöht Eigenkapitalanteil des Eigentümers, was zu tieferer Zinsbelastung führt. Erhöht Fremdkapitalanteil des Eigentümers, was zu einer höheren Zinsbelastung führt.
Vorsorgeleistungen werden mit Eintritt des Versicherungsfalls gemäss Reglement und Vorsorgeplan gekürzt.Vorsorgeschutz bleibt ohne Pfandverwertung erhalten.
Wird bei Auszahlung sofort besteuert, sind weniger Schuldzinsen von den Steuern abziehbar.Keine Besteuerung, höherer Steuerabzug aufgrund höherer Schuldzinsen.
Zusätzliche Risikoversicherung ist empfehlenswert.Mögliche Vergünstigung auf nachrangiger Hypothek oder höhere hypothekarische Belastung.
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