Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)

Zweck

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) ist eines der wichtigsten Sozialwerke der Schweiz. Sie ist eine allgemeine und obligatorische Volksversicherung und umfasst die gesamte Bevölkerung. Mit ihren Renten soll sie den Existenzbedarf angemessen decken und damit den wegen Alter und Tod ausfallenden Arbeitsverdienst wenigstens teilweise ausgleichen.

Zusammen mit der Invalidenversicherung und den Ergänzungsleistungen bildet die AHV die erste Säule des sogenannten 3-Säulen-Prinzips; sie wird ergänzt durch die berufliche Vorsorge (2. Säule) und allenfalls durch die Selbstvorsorge (3. Säule).

Geschichtliche Daten

Die ersten Bestrebungen für eine Alters- und Invalidenversicherung gehen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Um die Zeit des Ersten Weltkrieges befasste sich der Bundesrat damit. 1925 wurde ein entsprechender Artikel in die Bundesverfassung aufgenommen. Im Jahr 1931 hat jedoch das Volk das erste Ausführungsgesetz verworfen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in einer Referendumsabstimmung mit rund 79% Ja-Stimmen das AHV-Gesetz angenommen und per 1. Januar 1948 in Kraft gesetzt. Das ursprünglich für beide Geschlechter auf 65 Jahre angesetzte Rentenalter wird 1957 und 1964 für Frauen auf 63 bzw. auf 62 Jahre gesenkt (es wurde im 2005 wieder auf 64 Jahre erhöht). Im Jahre 1972 wird das 3-Säulen-Prinzip zusammen mit Beiträgen zur Förderung der Altershilfe in der Bundesverfassung verankert. Erstmals wurden damit nicht nur Individual- sondern auch Kollektivleistungen zu Gunsten einer Bevölkerungsgruppe eingeführt. 1997 ist mit der 10. AHV-Revision das zivilstandsunabhängige Individualrentensystem gekommen. Als Novum in der Geschichte der Sozialen Sicherheit wird der Unterschied zwischen entlöhnter und nichtentlöhnter Arbeit aufgehoben, indem Erziehungs- und Betreuungsgutschriften – als fiktives Einkommen – in die Rentenberechnung einfliessen.

Statistische Angaben

Bezüger/innen der Alters- und Hinterlassenenversicherung

Bestand im DezemberMännerFrauenHauptrenten TotalZusatzrentenHinterlassenenrenten Total
2001598'981948'9671'547'94876'045128'1791'752'172
2002620'082959'5761'579'65873'875130'0401'783'573
2003645'702978'4041'624'10669'059132'3311'825'496
2004676'0761'001'6211'677'69762'462135'6021'875'761
2005706'911991'4181'698'32966'724142'9261'907'979
2006737'7361'011'4411'749'17769'241146'2351'964'653
2007770'0491'038'1851'808'23470'752149'6572'028'643
2008803'0861'065'8871'868'97368'723152'4512'090'147
2009837'5761'091'5731'929'14966'832155'9672'151'948
2010869'6301'111'5771'981'20764'905159'1062'205'218
2011903'3551'127'9242'031'27963'054162'4372'256'770


Quellen: Bundesamt für Sozialversicherungen

Organisation

Die Durchführungsorgane sind die Arbeitgebenden zusammen mit den Ausgleichskassen (Verbands-, Kantonale-, Eidgenössische- und Schweizerische-Ausgleichskasse). Bei der Arbeit unterstützen Revisionsstellen mit ihren Arbeitgeberkontrollen, Kassenrevision und die Steuerverwaltung die Vollzugsstellen.

Schnittstellen

Die AHV ist ein «Türöffner» für die anderen Sozialversicherungen. Besonders eng ist sie mit der Invalidenversicherung (IV) verbunden. Sei es in Bezug auf die Organisation, das Beitragsinkasso oder die Berechnung der Rente.

Naheliegend und im Rahmen des 3-Säulen-Prinzips so gewollt, ist die Koordination mit der Beruflichen Vorsorge (BVG). Im BVG (2. Säule) kann sich beispielsweise nur versichern, wer einen AHV-pflichtigen Lohn hat. Der versicherte Lohn und weitere Grenzbeträge werden abgeleitet von der Höhe der AHV-Rente und das Rentenalter auf dasjenige der AHV ausgerichtet.

Sogar in der 3. Säule, also dem freiwilligen und privaten Sparen, wird die maximale Einlage von der AHV-Rente beeinflusst.

Die Erwerbsersatzordnung (EO), die Arbeitslosenversicherungen (ALV), die Unfallversicherung (UV) und die Familienzulagen stellen im Grundsatz ebenfalls auf den AHV-pflichtigen Lohn bei der Bemessung ihrer Beiträge ab.

Wer ist bei der AHV versichert?

Wer in der Schweiz wohnt und/oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit – sei es als Arbeitnehmer oder Selbständigerwerbender – ausübt, ist automatisch bei der AHV versichert und entrichtet grundsätzlich ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres Beiträge.Ebenfalls sind nichterwerbstätige Ehefrauen und Witwen grundsätzlich beitragspflichtig.

Schweizer Bürger und Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) oder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), die nicht in einem Mitgliedstaat der EU oder der EFTA leben, können der «freiwilligen AHV» (Art. 2 AHVG) beitreten, falls sie unmittelbar vorher während mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren obligatorisch versichert waren und dieses Recht innerhalb von 12 Monaten geltend machen.

Diese freiwillige Versicherung ist nicht zu verwechseln mit der «Berechtigung zur Weiterführung der Versicherung» nach Art. 5 AHVV für Personen, die im Ausland für einen Arbeitgeber in der Schweiz tätig sind. Diese können die Versicherung weiterführen, falls sie während mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren versichert waren und dies unmittelbar vor der Aufnahme der Tätigkeit im Ausland oder vor Ablauf der nach einer zwischenstaatlichen Vereinbarung zulässigen Entsendedauer.

Beiträge und Finanzierung

Die AHV wird nach dem Umlageverfahren finanziert und beruht auf einem Generationenvertrag (aktive Bevölkerung erbringt Rentenleistungen für Betagte und Hinterlassene). Kurzfristige Schwankungen werden durch einen «Ausgleichsfonds» aufgefangen, dessen Höhe langfristig einer Jahresausgabe entsprechen soll.

Die Einnahmen der AHV setzten sich zusammen aus:

Beiträge der Wirtschaft, d.h. der Versicherten und ihrer Arbeitgeber

  • Unselbständigerwerbende Arbeitnehmer und Arbeitgeber total 8,4% der Bruttolohnsumme
  • Selbständigerwerbende max. 7,8%
  • Nichterwerbstätige je nach Vermögen, mind. CHF 480, max. CHF 24‘000 (in diesem Beitrag ist auch der Beitrag für die IV und EO enthalten)

Beiträge der öffentlichen Hand

  • Bund (Besteuerung von Tabak und gebrannten Wassern sowie allgemeine Bundesmittel)
  • Mehrwertsteuer (MwSt.)
  • Spielbankengewinne
  • Zinsen des Ausgleichsfonds
  • Regress-Einnahmen

Jahresrechnung in Millionen CHF

20072008200920102011Veränderung 2010/2011
Einnahmen Total34'80131'59239'70438'49539'0411.4%
Beiträge Versicherte und Arbeitgeber25'27426'45927'30527'46128'3063.1%
Beiträge öffentliche Hand9'2309'4559'5599'77610'0642.9%
- Bund5'4486'6236'9967'1567'4394.0%
- MwSt. und Spielbanken2'5702'8322'5632'6202'6240.2%
- Kantone1'212-----
Regress899104-64.2%
Kapitalertrag290-4'3312'8301'247667-46.5%
Ausgaben Total33'30333'87835'78736'60438'0534.0%
Renten32'46933'26135'15035'92537'3504.0%
Andere Sozialleistungen683486489517497-3.9%
Verwaltungs- und Durchführungskosten15113114816220627.5%
Rechnungssaldo1'499-2'2863'9171'891988-47.7%
Veränderung des Kapitals¹8'537-2'2863'9171'891988-47.7%
Kapital²40'63738'35142'26844'15840'146-


¹ 2007: Überweisung von CHF 7'038 Mio. Bundesanteil aus dem Verkauf des SNB-Goldes
² 01.01.2011: Überweisung von CHF 5 Mrd. an die IV

Leistungen

Die AHV erbringt hauptsächlich sogenannte Geldleistungen. Damit sind Altersrenten plus Alterskinderrenten und Hinterlassenenrenten (Witwen- bzw. Witwerrenten und Waisenrenten) gemeint. Dies immer nur nach der Geltendmachung des Anspruches auf dem amtlichen Formular mit den erforderlichen Beilagen (www.ahv-iv.info)

Das ordentliche Rücktrittsalter in der AHV ist für Frauen mit 64 Jahren und für Männer mit 65 Jahren. Die Altersrente kann ein oder zwei Jahre vorbezogen oder ein bis maximal fünf Jahre aufgeschoben werden. Die maximale Altersrente beträgt pro Jahr CHF 28‘080 (Stand 2013). Bei Ehepaaren wird sie plafoniert bei 150% der Höchstrente. Die Kinderrente beträgt 40% der Altersrente.

Basis für die individuelle Berechnung der Altersrente ist die Beitragszeit, das massgebliche durchschnittliche Einkommen während der gesamten Versicherungszeit plus eventuelle Erziehungs- und Betreuungsgutschriften. In der Regel werden die Renten alle zwei Jahre der Lohn- und Preisentwicklung angepasst.

Hinterlässt eine verstorbene Person einen Ehepartner und/oder Kinder, wird ab dem Folgemonat des Todes eine Hinterlassenrente ausgerichtet. Es müssen spezifische Anspruchsvoraussetzungen erfüllt werden (Alter, Ehedauer, Kinder). Unter Umständen haben Geschiedene auch einen Anspruch. Die Witwen- und Witwerrente beträgt 80% der einfachen Altersrente.

In der Schweiz wohnhafte Altersrentner/innen, die seit mindestens einem Jahr ununterbrochen in mittlerem oder schwerem Grade hilflos sind, haben zusätzlich zu ihrer Rente Anspruch auf eine monatliche Hilflosenentschädigung. Sie beträgt 50% der einfachen AHV-Altersrente bei mittlerer und 80% bei schwerer Hilflosigkeit.

Sind diese Altersrentner/innen, die für die Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich (z.B. als Hausfrau), für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit anderen Menschen oder für die Selbstsorge auf Hilfsmittel angewiesen, können sie einen Anspruch auf Abgabe oder einen Kostenbeitrag geltend machen. Der Anspruch ist auf einige wenige Hilfsmittel beschränkt.

Leben Altersrentner/innen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen, können sie Ergänzungsleistungen geltend machen. Diese werden nach den individuellen Verhältnissen bemessen und sind keine Fürsorgeleistungen.

Aktuell

Auf den 1. Januar 2013 werden die AHV-Renten um rund 0,9% erhöht und damit der Teuerung angepasst.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund lanciert im 2012 eine Initiative zur Erhöhung der AHV-Renten um 10%. Die Finanzierungsquelle ist offen, könnte eine nationale Erbschaftssteuer sein oder die Erhöhung von Lohnbeiträgen.

Die von der CVP eingereichte Volksinitiative unter dem Titel «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe» ist 2011 zustande gekommen. Sie fordert darin u.a. die Aufhebung der Plafonierung der AHV-Renten bei verheirateten Paaren.

Revisionen

Seit ihrer Einführung im Jahr 1948 wurde die AHV zehn Mal revidiert. Die 11. AHV-Revision ist bei Volk und danach im zweiten Anlauf im Parlament 2010 gescheitert. Der Bundesrat hat unumstrittene Punkte aus der 11. AHV-Revision, welche eine Verbesserung der Durchführung der AHV zum Ziel hatte, am 1. Januar 2012 mittels Verordnungsänderung in Kraft gesetzt.

In der Legislaturperiode 2011 bis 2015 will der Bundesrat die nötigen Reformschritte im Rahmen der 12. AHV-Revision in die Wege leiten, um die AHV zu modernisieren und sie für die Zukunft fit zu machen. Er hat dafür ein gemeinsames, partnerschaftliches Vorgehen aufgegleist: In einem partizipativen Verfahren will der Bundesrat die Sozialpartner, politischen Parteien und die Kantone (über die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren SODK) mit einbeziehen und den Reformprozess breit abstützen. Siehe www.ahv-gemeinsam.ch.

FAQ

Wo bekomme ich allgemeine Informationen zur AHV?
Auf der Website des Bundesamtes für Sozialversicherungen unter der Rubrik AHV: www.bsv.ahv.ch

Ebenfalls finden Sie viele Antworten, Merkblätter und Tipps unter www.ahv-iv.info

Wo bekomme ich Informationen für mein spezifisches Anliegen?
Die Ausgleichskassen stehen gerne bei Fragen zur Verfügung. In der Regel können Sie sich an diejenige Ausgleichskasse wenden, wo Sie versichert sind. Wenn Sie dies nicht wissen, fragen Sie ihren Arbeitgeber oder wenden Sie sich an die Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons.

Muss ich als Student, vorzeitig Pensionierter, Witwe, Privatier, nicht erwerbstätiger Ehegatte auch Beiträge bezahlen?
Ja, beitragspflichtig sind alle in der Schweiz wohnhaften Personen, die zwischen 18 und 65 (Männer) bzw. 64 (Frauen) Jahren alt sind, soweit sie nicht kraft Gesetz von der Beitragspflicht ausgenommen sind. Für Erwerbstätige im Rentenalter gelten spezielle Bestimmungen.

Wie kann ich den Stand meines individuellen Kontos erfahren?
Sie können bei Ihrer Ausgleichskasse schriftlich einen Kontoauszug verlangen. Damit können Sie überprüfen, ob Ihre Beitragsdauer lückenlos ist oder ob der Arbeitgeber die abgezogenen Beiträge auch wirklich mit der Ausgleichskasse abgerechnet hat. Ein Formular dafür finden Sie auf der Website der AHV.

Was bedeutet Splitting?
Das ist eine Einkommensteilung während der Ehe.

Um die Altersrente von verheirateten, verwitweten oder geschiedenen Personen festzulegen, werden die Einkommen, welche die beiden Ehegatten während der Ehejahre erzielt haben, aufgeteilt und je zur Hälfte den Ehegatten gutgeschrieben.

Bei einer Scheidung lohnt es sich, direkt nach der Scheidung das Splitting zu verlangen und nicht bis zum Rücktrittsalter damit zuzuwarten. Ein Formular dafür finden Sie auf der Website der AHV.

Ich möchte wissen, wie hoch meine AHV-Rente im Rücktrittsalter sein wird?
Sie können bei Ihrer Ausgleichskasse schriftlich eine provisorische Rentenvorausberechnung verlangen. Ein Formular dafür finden Sie auf der Website der AHV.

Kommt meine AHV-Rente ohne Anmeldung?
Nein, Sie müssen sich rund drei Monate vor Ihrer Pensionierung an die Ausgleichskasse wenden, um Ihre AHV-Rente zu beantragen. Formulare dafür finden Sie unter www.ahv-iv.info.

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