Erwerbsersatz für Dienstleistende (EO) und bei Mutterschaft (MSE)

Zweck

Die EO ist wie die IV eng mit der AHV verbunden und somit eine gesamtschweizerische obligatorische Versicherung. Sie erfasst grundsätzlich die ganze Bevölkerung, auch Frauen und Ausländer, ohne Rücksicht darauf, ob der Einzelne je einmal Militärdienst oder Zivilschutzdienst leisten wird.

Die EO ersetzt Personen, die Militärdienst bzw. Zivilschutzdienst leisten oder an Kursen für Jugend und Sport (J+S) teilnehmen, einen Teil des ausfallenden Erwerbseinkommens. Seit Juli 2005 kompensiert die EO zudem den Verdienstausfall erwerbstätiger Mütter mit einer Mutterschaftsentschädigung (MSE).

Geschichtliche Daten

Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Militärorganisationsgesetz die Unterstützung bedürftiger Wehrmänner und deren Familien als Bundesaufgabe verankert. Die EO war, was das Abrechnungssystem anbelangte, während dem Zweiten Weltkrieg der Vorläufer der AHV. Sie hiess damals LohnErsatzOrdnung (LEO). Im Nachgang der Verankerung des entsprechenden Verfassungsartikels im Jahre 1948 wurde das Erwerbsersatzgesetz per 1. Januar 1953 in Kraft gesetzt.

Bis heute wurde die EO siebenmal revidiert. Bei der sechsten EO-Revision (1. Juli1999 / 1. Januar 2000) wurden insbesondere die zivilstandsunabhängigen Leistungen bzw. die Änderungen der Zulagen für Betreuungskosten eingeführt.

Mit der siebten EO-Revision wurden ab 1. Juli 2005 die Grundentschädigung von bisher 65% auf 80% des letztversicherten Verdienstes erhöht und erwerbstätigen Frauen eine Mutterschaftsentschädigung während höchstens 14 Wochen nach der Geburt gewährt.

Trotz Senkung des Beitragssatzes sind lange Zeit massive Überschüsse erzielt worden. Dies führte dazu, dass am 1. Januar 1998 CHF 2,2 Mia. und am 1. Januar 2003 CHF 1,5 Mia. auf das Konto der notleidenden IV übertragen werden konnten. Mit der Einführung der Mutterschaftsentschädigung schmolzen die Reserven schnell dahin. Dies führte dazu, dass der Beitragssatz am 1. Januar 2011 von 0,3 auf 0,5 Lohnprozente angehoben wurde.

Statistische Angaben

Bezüger/innen der Erwerbsersatzordnung

Leistungen im Dienst Leistungen bei Mutterschaft²
  Armee ZivildienstZivilschutzSonstige¹Total
2001 208'007 2'833 96'394 9'549 316'783 -
2002 200'570 3'697 89'182 8'990 302'439 -
2003 207'992 4'278 76'206 29'900 318'376 -
2004 143'327 4'007 58'153 33'723 239'210 -
2005 164'119 4'101 57'699 38'935 264'854 28'102
2006 170'739 4'360 54'947 38'073 268'119 54'769
2007 176'303 4'536 55'428 41'681 277'948 56'381
2008 175'690 5'130 55'444 41'952 278'216 60'394
2009 172'799 8'691 55'812 44'080 281'382 64'051
2010 163'995 12'933 57'163 45'190 279'281 67'329
2011 150'681 14'876 56'989 45'868 268'414 69'411


¹ Rekrutierung, Jugend + Sport, Jungschützenkurse
² Einführung auf den 1. Juli 2005

Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

Organisation

Die EO wird durch die Organe der AHV, also die Arbeitgeber, die Ausgleichskassen und die Zentrale Ausgleichsstelle, unter Mitwirkung der Rechnungsführer von Armee und Zivilschutz (Meldekarten) durchgeführt.

Schnittstellen

Die Erwerbsersatzordnung ist eng mit der AHV verbunden. Die Beiträge an die EO werden zusammen mit denjenigen der AHV erhoben. Die Leistungen werden ebenfalls durch die Ausgleichskasse ausbezahlt. Der Kreis der versicherten Personen ist identisch mit den in der AHV versicherten Personen.

Wer ist bei der EO versichert?

Wer in der Schweiz wohnt und/oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit – sei es als Arbeitnehmer oder Selbständigerwerbender – ausübt, ist automatisch bei der EO versichert und entrichtet grundsätzlich ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres Beiträge.

Beiträge und Finanzierung

Die EO wird grösstenteils aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern nach dem Umlageverfahren finanziert (wie die AHV). Zudem fällt der Ertrag aus den Kapitalanlagen an. Die EO-Beiträge betragen 0,5% des Bruttolohnes. Sie werden hälftig von den Arbeitgebenden und den Arbeitnehmenden bezahlt und zusammen mit den AHV- und IV-Beiträgen abgerechnet.

Finanzen der Erwerbsersatzordnung
In Millionen CHF

20072008200920102011Veränderung 2010/2011
Einnahmen Total939776 1'0611'0061'70869.8%
Beiträge Versicherte und Arbeitgeber907950 980 9851'70372.9%
Kapitalertrag32-17481215-74.8%
Ausgaben Total1'3361'4371'5351'6031'6110.5%
Sozialleistungen1'3321'4331'5321'6011'6080.4%
- davon Leistungen im Dienst767825854876856-2.3%
- davon Leistungen bei Mutterschaft5656096787257523.8%
Verwaltungs- und Durchführungskosten4322327.5%
Rechnungssaldo-397-661-474-597-97-
Veränderung des Kapitals-397-661-474-597-97-
Kapital2'1431'4831'00941250923.6%


Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

Leistungen

Die Erwerbsausfallentschädigung für Dienstleistende setzt sich aus verschiedenen Tagessätzen zusammen.

Die Grundentschädigung ist zivilstandsunabhängig. Sie beträgt für Rekruten einheitlich CHF 62 pro Tag. Für alle anderen dienstleistenden erwerbstätigen Personen 80% des durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkommens, mindestens jedoch CHF 62 und höchstens CHF 196 pro Tag. Für Nichterwerbstätige gilt ein Fixbetrag von CHF 62 pro Tag (während bestimmter Gradänderungsdienste CHF 111 pro Tag). Sie wird für alle Diensttage, auch für Samstage und Sonntage, ausgerichtet.

Die Kinderzulage für Kinder bis 18 Jahre bzw. 25 Jahre, sofern in Ausbildung, beträgt für jedes Kind CHF 20.

Die Betreuungszulage erhalten Dienstleistende, die mit Kindern unter 16 Jahren im gemeinsamen Haushalt leben. Vergütet werden damit die Mehrauslagen, die entstehen, weil die dienstleistende Person die Betreuungsaufgaben nicht selber wahrnehmen kann. Vergütet werden die tatsächlichen Kosten ab CHF 20 pro Dienstperiode, höchstens aber CHF 67 pro Diensttag.

Dienstleistende, die als Selbständigerwerbende einen Betrieb führen, haben Anspruch auf eine Betriebszulage (Aushilfe für 10 Tage während 12 Tagen Dienstpflicht). Die Betriebszulage beträgt CHF 67 pro Tag.

Die verschiedenen Zulagen dürfen die Gesamtentschädigung (ohne Betriebszulage) für Erwerbstätige von 80% des durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkommens nicht übersteigen (max. CHF 245 pro Tag).

Bei Nichterwerbstätigen darf die Gesamtentschädigung im Tag CHF 123 (während Beförderungsdiensten CHF 172) nicht übersteigen.

Die Leistungen bei Mutterschaft werden an erwerbstätige Frauen ausgerichtet, die während neun Monaten unmittelbar vor der Niederkunft im Sinn der AHV obligatorisch versichert waren und in dieser Zeit mindestens fünf Monate eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben.

Die Mutterschaftsentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet und beträgt 80% des vor der Niederkunft erzielten Einkommens, höchstens jedoch CHF 196 pro Tag für 98 Tage, d.h. 14 Wochen.

Das maximale Taggeld beträgt somit monatlich CHF 5'880 (7'350 * 80% / 30 = CHF 196) und bei Selbständigerwerbenden wird maximal ein Jahreslohn von CHF 88'200 berücksichtigt (88'200 * 80% / 360 = CHF 196).

Aktuell

Auf den 1. Januar 2011 wurde der Beitragssatz von 0,3 auf 0,5 Lohnprozente erhöht.

Revisionen

Seit ihrer Einführung im Jahr 1953 wurde die EO sieben Mal revidiert. Mit der 7. EO-Revision wurden am 1. Juli 2005 die Grundentschädigung von bisher 65% auf 80% des letztversicherten Verdientes erhöht und erwerbstätigen Frauen Mutterschaftstaggelder für längstens 14 Wochen nach der Geburt zugesprochen.

Per 1. Januar 2009 wurden die Entschädigungen der Teuerung angepasst.

FAQ

Wo bekomme ich allgemeine Informationen zur EO/MSE?
Auf der Website des Bundesamtes für Sozialversicherungen unter der Rubrik Erwerbsersatzordnung (EO) und Mutterschaft (MSE): www.bsv.admin.ch

Ebenfalls finden Sie viele Antworten und Tipps im Merkblatt 6.01 für die EO bwz. Merkblatt 6.02 für die MSE unter www.ahv-iv.info.

Wo bekomme ich Informationen für mein spezifisches Anliegen?
Die kantonalen Ausgleichskassen in Ihrem Wohnkanton stehen bei Fragen zur Verfügung. Ebenfalls helfen der Rechnungsführer der Armee bzw. des Zivildienstes bei Dienstleistenden oder die Arbeitgebenden bei Mutterschaft weiter.

Wie erhalte ich die Erwerbsausfallentschädigung?
a) Arbeitnehmende vervollständigen die vom Rechnungsführer abgegebene Meldekarte mit ihren persönlichen Daten wie Zivilstand, Kinder, usw. und leiten sie an den Arbeitgeber weiter. Dieser trägt den Lohn ein und schickt die Meldekarte an die Ausgleichskasse. Die Ausgleichskasse zahlt dem Arbeitgeber die Taggelder aus, der seinerseits während der dienstlichen Abwesenheit seiner Mitarbeiterin/seines Mitarbeiters den Lohn ausrichtet.

b) Selbständigerwerbende oder Nichterwerbstätige reichen die ausgefüllte und unterschriebene Meldekarte direkt bei der zuständigen Ausgleichskasse ein.

Wie erhalte ich die Mutterschaftsentschädigung?
Die Mutterschaftsentschädigung muss mit einem speziellen Anmeldeformular bei der zuständigen Ausgleichskasse nach der Geburt beantragt werden. Bei Arbeitnehmerinnen läuft dies über ihren Arbeitgeber. Er erhält auch die Taggelder, wenn er während des Mutterschaftsurlaubes den Lohn weiterhin bezahlt. In allen anderen Fällen, z.B. bei Selbständigerwerbenden oder arbeitslosen Müttern muss die Anmeldung bei der zuständigen Ausgleichskasse eingereicht werden. Diese richtet die Taggelder direkt der Mutter jeweils per Ende Monat aus.

Habe ich bei einer Adoption Anrecht auf die Mutterschaftsentschädigung?
Bei einer Adoption besteht kein Anrecht auf Mutterschaftsentschädigung.

Wie lange erhalte ich die Mutterschaftsentschädigung?
Ab dem Tage der Geburt während höchstens 98 Tagen, d.h. 14 Wochen, wobei pro Woche 7 Tagesentschädigungen ausgerichtet werden. Der Anspruch endet auf jeden Fall sobald die Mutter wieder eine Erwerbstätigkeit aufnimmt und zwar unabhängig vom Beschäftigungsgrad und der Beschäftigungsdauer.

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