Militärversicherung (MV)

Zweck

Die Militärversicherung (MV) haftet für alle Schädigungen der körperlichen oder geistigen Gesundheit des Versicherten, die während eines Dienstes eintreten, und für die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen solcher Schädigungen. Die MV deckt sowohl das Unfall- als auch das Krankheitsrisiko. Auch Sachschäden, die in einem engen und unmittelbaren Zusammenhang mit einer versicherten Gesundheitsschädigung stehen, werden von der MV vergütet.

Geschichtliche Daten

Die MV ist das älteste Sozialversicherungswerk der Schweiz. Bereits im Jahre 1852 wurde für die Wehrmänner auch in Friedenszeiten eine erste sozialversicherungsrechtliche Ordnung geschaffen.

Im Jahr 1901 trat das Militärversicherungsgesetz (MVG) in Kraft. Es wurde 1949 und 1994 revidiert.

Statistische Angaben

Neu registrierte FälleLaufende RentenfälleVersicherungsleistungen in CHF 1'000
Jahrordentliche FälleBagatell-
fälle
Invaliden-
renten
Integritäts-
schaden-
renten
Hinterlassenen-
renten
HeilkostenTaggeldRenten-
kosten

200116'38725'4643'1497272'17346'41932'045147'505
200217'18526'3733'1047352'10848'57436'266147'818
200316'92523'0123'0096882'03850'40135'302142'715
200415'80518'6102'9326631'98149'61430'151135'344
200515'19719'4052'8446471'91850'35828'559132'808
200615'01917'8252'7396071'84749'29529'534127'558
200713'94018'5792'6696061'77151'57027'915125'477
200814'54520'0812'5555901'71853'89226'985121'396
200914'53721'5932'4555721'62755'32027'833118'332
201014'55821'3362'3775691'58957'68128'289114'764
201114'38823'7052'2995451'52757'56928'099111'358


Quelle: Statistik der Militärversicherung 2012

Organisation

Seit dem 1. Juli 2005 führt die Suva die MV als eigenständige Sozialversicherung. Die MV erledigt ihre Schäden weiterhin dezentral von den Standorten Bern (Hauptsitz), Genf, St. Gallen und Bellinzona aus.

Schnittstellen

Die MV ist für die Abwicklung des Gesundheitsschadens eng mit dem Truppenarzt verbunden. Eine gesundheitliche Störung wird anlässlich der sanitarischen Eintrittsmusterung, während der Dauer des Dienstes oder anlässlich der sanitarischen Austrittsmusterung festgehalten und wenn erforderlich gemeldet. Wird eine Behandlung nach Entlassung aus dem Dienst erforderlich, deren Ursache in die Dienstzeit fällt, kann natürlich auch ein Arzt oder ein Spital die Schadensmeldung bei der MV einreichen.

Wer ist bei der MV versichert?

Von Gesetzes wegen sind alle Personen versichert, die obligatorischen oder freiwilligen Militär- oder Zivilschutzdienst leisten. Dauernd gegen Krankheit oder Unfall versichert ist, wer als Angehöriger des Instruktionskorps der Armee, des Überwachungsgeschwaders oder als Instruktor des Zivilschutzes im Bundesdienst steht. Zum Versichertenkreis gehört ferner, wer an friedenserhaltenden Aktionen oder Guten Diensten des Bundes teilnimmt, oder wer als Angehöriger des Schweizerischen Katastrophenhilfskorps bei Aktionen des Bundes mitmacht.

Eine weitere Versichertengruppe bilden die Jugendlichen, welche sich an «Jugend + Sport»-Veranstaltungen beteiligen.

Der Schutz erstreckt sich auf die ganze Dauer der versicherten Anlässe und Tätigkeiten. Der Hin- und Rückweg ist, sofern er innert angemessener Frist zurückgelegt wird, in der Versicherung eingeschlossen. Die Versicherung ruht während der Zeit, in welcher der Versicherte einer Erwerbstätigkeit nachgeht und nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung obligatorisch versichert ist.

Personen, die aus beruflichen Gründen militärversichert waren, können sich nach ihrer Pensionierung bei der Militärversicherung für Gesundheitsschädigungen freiwillig weiter versichern.

Beiträge und Finanzierung

Die MV ist keine eigentliche Versicherung im technischen Sinne, sondern vielmehr eine Staatshaftungseinrichtung. Dennoch wird die MV unter die Sozialversicherungszweige eingereiht, da eindeutig der soziale Gedanke vorherrscht.

Für die Leistungen der MV werden grundsätzlich keine Prämien erhoben (ausser bei Instruktoren). Die Kosten werden vom Bund getragen. Sie betrugen im Jahr 2011 Total CHF 216 Mio.

Leistungen

Die MV umfasst einen weiten Leistungskatalog:

  1. Heilbehandlung
    Gedeckt sind die medizinische Untersuchung und Behandlung sowie die Pflege, die ambulant, zu Hause, teilstationär oder stationär (allgemeine Abteilung) durchgeführt werden kann, mit Einschluss der Analysen, der Arzneimittel und der weiteren zur Therapie erforderlichen Mittel und Gegenstände. Die Deckung gilt auch für Zahnschäden.

  2. Übernahme von Reise- und Bergungskosten
    Die MV vergütet die notwendigen Reise-, Transport-, Such- und Rettungskosten.

  3. Zulagen für Hauspflege oder Kuraufenthalte sowie Hilflosenentschädigungen
    Sind dem Versicherten Hauspflege oder ein privater Kuraufenthalt bewilligt worden und enstehen ihm dabei durch die versicherte Gesundheitsschädigung oder durch Hilflosigkeit Mehrkosten für Unterkunft, Ernährung, Pflege oder Betreuung, so gewährt ihm die MV Zulagen.

  4. Übernahme von Hilfsmitteln

  5. Taggelder
    Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit beträgt das Taggeld 80% des versicherten Verdienstes (max. anrechenbarer Jahresverdienst ab 2012: CHF 149’423). Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Taggeld entsprechend herabgesetzt. Die Taggelder unterstehen der allgemeinen Sozialversicherungspflicht.

  6. Entschädigung für die Verzögerung der Berufsausbildung
    Wird die Berufsausbildung des Versicherten wegen der versicherten Gesundheitsschädigung um mindestens 6 Monate verzögert, so erhält er nach Wiedererlangen der Ausbildungsfähigkeit für den verspäteten Eintritt ins Erwerbsleben eine Entschädigung, welche pro Jahr 10% des höchstversicherten Jahresverdienstes beträgt.

  7. Entschädigungen an Selbständigerwerbende
    Entsteht dem Selbständigerwerbenden während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit durch feste Betriebskosten ein weiterer Schaden oder kann er aus dem Taggeld und allfälligen Leistungen seinen Betrieb nicht aufrechterhalten, so können ihm zusätzliche Entschädigungen ausgerichtet werden.

  8. Eingliederungsleistungen
    Sie bestehen in der Organisation und Finanzierung von Massnahmen beruflicher Art und solcher zur sozialen Integration sowie Entschädigung einer allfälligen Verdiensteinbusse während der Dauer der Massnahmen (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Kapitalhilfe für selbständige Tätigkeit, weiterer Kostenersatz).

  9. Nachfürsorge
    Nachfürsorgemassnahmen bestehen in zusätzlichen Geldleistungen bis zum Betrag eines Taggeldes für ein halbes Jahr, wenn der Versicherte ohne eigenes Verschulden seine Arbeitsfähigkeit nicht verwerten kann. Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung werden angerechnet.

  10. Invalidenrente
    Die jährliche Invalidenrente beträgt bei vollständiger Invalidität 80% des versicherten Verdienstes (max. anrechenbarer Jahresverdienst CHF 149'423), bei teilweiser Invalidität wird sie entsprechend herabgesetzt.

  11. Altersrenten für invalide Versicherte
    Sobald der invalide Versicherte das AHV-Rentenalter erreicht hat, wird die Invalidenrente als Altersrente auf der Hälfte des Jahresverdienstes ausgerichtet, welcher der Rente zugrunde liegt.

  12. Integritätsschadenrenten
    Erleidet der Versicherte eine dauernde erhebliche Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, hat er Anspruch auf eine Integritätsschadenrente. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens festgesetzt (maximal CHF 20'940).

  13. Hinterlassenenrenten
    Die Rente für den überlebenden Ehepartner beträgt 40% des versicherten Jahresverdienstes des Verstorbenen. Die Rente für den geschiedenen Ehepartner entspricht im Falle einer Unterhaltspflicht den dahingefallenen Unterhaltsbeiträgen, max. 20% des versicherten Jahresverdienstes des Verstorbenen.

    Die Waisenrenten betragen für Halbwaisen 15%, für Vollwaisen 25% des versicherten Jahresverdienstes (bis zum 18. Altersjahr oder bei Ausbildung bis zum 25. Altersjahre).

    Sind keine rentenberechtigten Ehepartner oder Kinder vorhanden, sind die Eltern – soweit ein Bedürfnis vorliegt – rentenberechtigt. Vater und Mutter erhalten je Renten bis höchstens 20% des versicherten Jahresverdienstes des Verstorbenen. Die Hinterlassenenrenten werden gleichmässig herabgesetzt, wenn sie zusammen den versicherten Jahresverdienst des Verstorbenen übersteigen. Fällt eine Rente dahin, erhöhen sich die übrigen Renten gleichmässig bis zum Höchstbetrag.

  14. Ehegatten- und Waisenrenten bei ungenügenden Vorsorgeleistungen
    Ist der Tod keine Folge der versicherten Gesundheitsschädigung, so kann die MV bis zur Hälfte der ordentlichen Ansätze Ehegatten- und Waisenrenten ausrichten, wenn der Versicherte im Zeitpunkt des Todes seit fünf Jahren eine mindestens 40-prozentige Invalidenrente bezogen hat und wegen der Invalidität die übrigen Vorsorgeleistungen fehlen oder erheblich vermindert sind.

  15. Übernahme von Sachschäden
    Schäden an Kleidern, Brillen, Uhren, Prothesen und weiteren auf dem Körper getragenen oder mitgeführten Gegenstände, sofern diese Schäden in einem engen und unmittelbaren Zusammenhang mit einer versicherten Gesundheitsschädigung steht.

  16. Abfindung
    Ausnahmsweise kann ein Versicherungsfall durch vertragliche Abfindung erledigt werden.

  17. Genugtuung
    Bei erheblicher Körperverletzung oder im Todesfall kann die MV unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des Verstorbenen eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen.

  18. Bestattungsentschädigung
    Stirbt ein Versicherter infolge der versicherten Gesundheitsschädigung, so wird eine Bestattungsentschädigung im Umfang eines Zehntels des höchstversicherten Jahresverdienstes ausgerichtet.

  19. Entschädigung für Berufsausbildung
    Haben Eltern oder der Ehepartner erhebliche Kosten für die Berufsausbildung des Versicherten gehabt und ist dieser vor Beendigung der Ausbildung oder innerhalb von drei Jahren nach deren Beendigung gestorben, kann den Eltern oder dem Ehepartner ein angemessener Betrag an diese Kosten gewährt werden.

  20. Verhütung von Gesundheitsschäden
    Die MV fördert und unterstützt Massnahmen zur Verhütung von Gesundheitsschäden. Sie arbeitet mit den zuständigen Organen der Armee, des Zivilschutzes und der Institution «Jugend + Sport» zusammen.

  21. Medizinische Untersuchung / vorbeugende medizinische Massnahmen
    Sofern es der Gesundheitszustand eines Stellungspflichtigen gerechtfertigt erscheinen lässt, kann vor der Aushebung zu Lasten der MV eine medizinische Untersuchung bewilligt werden.

Aktuell

Auf den 1. Januar 2013 wurden die Renten teilweise der Teuerung angepasst

Revisionen

Das im Jahr 1901 in Kraft getretene MVG wurde 1949 erstmals revidiert. Eine Totalrevision wurde am 19. Juni 1992 von der Bundesversammlung verabschiedet und ist seit dem 1. Januar 1994 in Kraft. Es unterscheidet sich vom bisher geltenden Recht aus dem Jahre 1949 vor allem durch die drei Hauptziele der Totalrevision: Füllen von Versicherungslücken und Leistungsverbesserungen, Verzicht auf überhöhte Leistungen sowie bessere Koordination mit den anderen Sozialversicherungen.

Dies führte unter anderem dazu, dass die Suva seit Mitte 2005 die MV führt und dass ab 2006 neu entstehende Taggelder und Renten von bisher 95% des letztversicherten Verdienstes auf 80% reduziert wurden.

Der Bundesrat hat am 14. Januar 2009 die Vernehmlassung zu einer weiteren Revision des MVG eröffnet. Mit dieser Revision sollen die Synergien zwischen der MV und der UV verstärkt und längerfristig Einsparungen von jährlich rund CHF 10 Mio. erzielt werden.

Mit der Revision soll das System der MV nicht grundlegend geändert werden. Es soll jedoch aktualisiert und an die heutigen Erfordernisse angepasst werden; dies insbesondere hinsichtlich des Kreises der versicherten Personen und der Leistungen. Die Revision soll überdies eine Annäherung des Fallmanagements und der Leistungsabwicklung der MV an diejenigen der UV ermöglichen. Einige Leistungen, wie die Integritätsentschädigung und die Hinterlassenenrenten, sollen künftig gleich wie in der UV kalkuliert werden. Zudem wird für Berufsmilitär die Deckung bei Krankheit nicht mehr nach dem MVG sondern nach dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) erfolgen.

Der Bundesrat hat den Bericht über die Ergebnisse aus der Vernehmlassung zur Revision des MVG zur Kenntnis genommen. Er hat im Oktober 2009 beschlossen, die Revision des MVG zu sistieren, bis die Revision des Unfallversicherungsgesetzes (UVG) vom Parlament genehmigt worden ist.

FAQ

Wo bekomme ich allgemeine Informationen zur MV?
Auf der Website www.militaerversicherung.ch, die von der Suva betrieben wird, finden Sie viele wertvolle und nützliche Hinweise.

Wo bekomme ich Informationen für mein spezifisches Anliegen?
Wenden Sie sich an Ihren Truppenarzt oder direkt an eine Agentur der Militärversicherung.

Wann und wo mache ich Leistungen geltend?
Melden Sie sich beim Truppenarzt oder nach dem Dienst bei Ihrem Arzt. Dieser oder Sie selber müssen die gesundheitliche Beeinträchtigung umgehend der Militärversicherung melden.

Gibt es einen Selbstbehalt bei Heilbehandlungen?
Nein, den gibt es nicht.

Wie bin ich im Spital versichert?
Die gesetzliche Deckung umfasst die Heilbehandlung in der allgemeinen Abteilung. Sie können sich in der Halbprivat- oder Privatabteilung behandeln lassen, wenn Sie eine private Zusatzversicherung dafür abgeschlossen haben oder diese Mehrkosten selber tragen wollen.

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