Unfallversicherung (UV)

Zweck

Mit dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) ist am 1. Januar 1984 für alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden die obligatorische Unfallversicherung (UV) eingeführt worden.

Die UV erbringt Pflegeleistungen und Kostenvergütungen, Taggelder und Renten bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen, Berufskrankheiten und unfallähnlichen Körperschädigungen.

Als Unfall gilt eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).

Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten, die in Ausübung der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind.

Geschichtliche Daten

Die UV hat ihre Wurzeln Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung des Fabrikgesetzes. Damit haftete der Patron für Berufsunfälle seiner Arbeitnehmenden. 1890 wurde eine Verfassungsgrundlage für die UV geschaffen. In einer Referendumsabstimmung wurde 1912 das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz angenommen. Der Teil über die UV trat am 1. Januar 1918 in Kraft. Am 1. April 1918 nahm die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) ihren Betrieb auf. Nach Berichten einer Expertenkommission in den 1970er Jahren wurde die UV von der Krankenversicherung entkoppelt und es trat am 1. Januar 1984 das Unfallversicherungsgesetz (UVG) in Kraft. Mitte 2005 hat die Suva als Zusatzaufgabe die Führung der Militärversicherung übernommen.

Statistische Angaben

Bezüger/innen der Unfallversicherung

Invalidenrenten nach Versicherungszweig Hinterlassenenrenten nach Versicherungszweig
  BUV¹ NBUV² UVAL3 BUV¹ NBUV² UVAL3
2001 43'383 36'933 423 9'835 20'163 141
2002 43'572 37'463 558 9'544 19'591 150
2003 43'843 38'286 674 9'216 19'087 167
2004 44'081 39'175 797 8'972 18'457 190
2005 44'206 39'870 918 8'672 17'955 209
2006 43'857 40'587 1'021 8'483 17'438 233
2007 43'691 40'959 1'153 8'290 16'767 231
2008 43'303 41'074 1'261 8'089 16'225 235
2009 43'068 41'174 1'335 7'880 15'668 238
2010 42'742 41'265 1'409 7'670 15'105 236
2011 42'361 41'257 1'462 7'419 14'558 226



¹ BUV = Berufsunfallversicherung
² NBUV = Nichtberufsunfallversicherung
3 UVAL = Unfallversicherung für Arbeitslose

Quelle: Suva, Fünfjahresbericht UVG

Organisation

Die Träger der UV sind je nach Tätigkeitsbereich des betreffenden Betriebes verschieden: Die Suva ist der Hauptträger. Daneben gibt es weitere zugelassene Versicherer, die gemeinsam eine Ersatzkasse betreiben.

Schnittstellen

Die UV ist eng mit dem Arbeitgeber verbunden. Über diesen erfolgen der Abschluss der Versicherung, die Prämienbegleichung und die Meldung des Unfalles. Ebenfalls ist der Arbeitgeber zur Einhaltung der Arbeitssicherheitsbestimmungen und zur Prävention verpflichtet.

Ferner hat die UV Beziehungen zur AHV, zur IV und zum BVG im Bereich der Leistungskoordination, wenn als Folge eines Unfalles eine Invalidität resultiert oder es zur Ausrichtung von Hinterlassenenleistungen kommt.

Zur Krankenversicherung spielen die Kontakte, wenn die Gesundheitsschädigung nicht eindeutig auf einen Unfall, eine unfallähnliche Körperschädigung oder eine Berufskrankheit zurück zu führen ist. Oftmals muss dann ein Gericht entscheiden.

Wer ist bei der UV versichert?

Wer in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmer nachgeht, ist obligatorisch versichert. Dies gilt ebenso für Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre (auch ohne Lohn), Hausangestellte und Heimarbeiter. Für Personen, die durchschnittlich weniger als acht Wochenstunden beschäftigt sind, besteht keine UVG-Deckung bei Freizeitunfällen (Nichtberufsunfälle). Ein Unfall auf dem Arbeitsweg gilt für diese Personen hingegen als Berufsunfall.

Selbständigerwerbende und ihre Familienmitglieder, die im gleichen Betrieb arbeiten und nicht obligatorisch versichert sind, können sich freiwillig nach UVG versichern.

Arbeitslose Personen, die Arbeitslosentaggelder beziehen, sind seit dem 1. Januar 1996 über die Suva obligatorisch gegen Nichtberufsunfälle versichert.

Grundsätzlich sind alle in der Schweiz wohnhaften Personen gegen Unfälle auch über die obligatorische Krankenversicherung versichert. Arbeitnehmende können diese Deckung bei ihrem Krankenversicherer sistieren, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie über ihren Betrieb gegen Berufs- und Nichtberufsunfall versichert sind.

Die Versicherung beginnt am Tag der geplanten oder tatsächlichen Arbeitsaufnahme, spätestens aber wenn sich die Person auf den Weg zur Arbeit begibt. Sie endet am 30. Tag nach dem Tag, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört.

Durch den Abschluss einer Abredeversicherung kann die versicherte Person die Deckung für Nichtberufsunfälle für bis zu 180 Tagen verlängern.

Beiträge und Finanzierung

Die Prämien für die obligatorische Versicherung der Berufsunfälle und Berufskrankheiten von Arbeitnehmenden bezahlt der Arbeitgeber; die Prämien für die Versicherung der Nichtberufsunfälle und für die freiwillige Versicherung bezahlen die Versicherten selbst. Die Prämien werden in Promillen des versicherten Verdienstes festgesetzt.

Für die Bemessung der Prämie werden die Betriebe nach ihrer Art und ihrem Risiko in Klassen des Prämientarifs und innerhalb der Klassen in Stufen eingereiht. Diese Prämienordnung galt für alle Versicherer und Versicherten. Seit dem 1. Januar 2006 können die Versicherer eigene Tarife anwenden. Die Prämien dürfen nicht nach Geschlecht verschieden ausgestaltet sein.

Die Pflegeleistungen, Taggelder und übrigen kurzfristigen Aufwendungen werden nach dem Ausgabenumlageverfahren finanziert. Die Versicherer müssen zur Deckung aller Ausgaben aus bereits eingetretenen Unfällen angemessene Rückstellungen bilden.

Die Finanzierung der Invaliden- und Hinterlassenenrenten erfolgt nach dem Rentenwertumlageverfahren, d.h. die später fälligen Rentenleistungen werden im Zeitpunkt der Rentenfestlegung kapitalisiert und durch das entsprechende Deckungskapital vorfinanziert.

Die Teuerungszulagen werden aus den Zinsüberschüssen und, sofern diese nicht ausreichen, nach dem Ausgabenumlageverfahren (Prämienzuschläge) finanziert.

Finanzen der UV

In Millionen CHF

20062007200820092010Veränderung 2009/2010
Einnahmen total7'6748'0147'9487'7307'8631.7%
Beiträge Versicherte und Arbeitgeber6'0096'2386'2986'1526'3032.5%
Kapitalertrag1'2131'3531'2301'1801'1840.4%
Übrige Einnahmen1452424420398375-5.7%
Ausgaben Total5'4855'5315'7445'9685'9930.4%
Sozialleistungen24'7254'7624'9375'1455'1700.5%
Verwaltungs- und Durchführungskosten6116156516726750.4%
Übrige Ausgaben3149154156151148-2.0%
Rechnungssaldo2'1902'4832'2041'7621'8706.1%
Veränderung des Kapitals2'7852'669-2'0542'2871'435-37.2%
Kapital38'38741'05639'00241'28942'7243.5%



1 Einnahmen aus Regress.
2 Heilungskosten, Taggelder sowie Renten, Teuerungszulagen und Kapitalleistungen an Invalide und Hinterlassene
3 Suva: Unfallverhütungsbeiträge und Verzinsung der Entnahme aus allgemeiner Reserve. Übrige Versicherer: Beiträge an die Ersatzkasse.

Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

Leistungen

Das UVG sieht Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die eigentlichen Geldleistungen vor.

Unter Pflegeleistungen und Kostenvergütungen (= Sachleistungen) fallen die Heilbehandlung, Hilfsmittel, Sachschäden (nur für Schäden an Sachen, die einen Körperteil oder eine Körperfunktion ersetzen, z.B. Prothesen), Transport- und Rettungskosten, Leichentransport- und Bestattungskosten. Die Geldleistungen umfassen das Taggeld, Renten und Entschädigungen.

Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag, wenn der Versicherte voll oder teilweise arbeitsunfähig ist (z.B. Unfall am 17. des Monats, Taggeld ab dem 20. des Monats). Bei voller Arbeitsunfähigkeit beträgt das Taggeld 80% des versicherten Verdienstes, bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit einen entsprechenden Teil davon. Der maximal versicherbare Jahreslohn im Obligatorium beträgt seit dem 1. Januar 2008 CHF 126'000.

Die Versicherung zahlt eine Invalidenrente, wenn der Versicherte zu mindestens 10% invalid ist, d.h. für längere Zeit oder bleibend in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist. Der Rentenanspruch entsteht erst nach durchgeführter Heilbehandlung und allfälligen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen weg). Die Rente beträgt 80% des versicherten Verdienstes bei Vollbeschäftigung. Die Rente wird bei gleichbleibender Invalidität bis zum Tod des Versicherten bezahlt.

Der Versicherte hat Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, wenn er durch den Unfall eine dauernde, erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet (z.B. Verlust von Gliedern, Verunstaltungen etc.).

Für Invalide, die dauernd der Hilfe und Überwachung bedürfen (leichte, mittlere und schwere Hilflosigkeit) wird eine Hilflosenentschädigung entrichtet.

Die Hinterlassenenrenten betragen für den überlebenden Ehegatten 40%, für jeden Halbwaisen je 15% und jeden Vollwaisen je 25%, insgesamt aber nicht mehr als 70% des versicherten Verdienstes.

Aktuell

Die Invaliden- und Hinterlassenenrenten der obligatorischen Unfallversicherung bleiben per 1. Januar 2013 unverändert. Für die Rentenanpassung bei der UV ist im Gegensatz zur AHV alleine der Landesindex der Konsumentenpreise massgebend und zwar jeweils derjenige des Monats September. Die Teuerung ist seit der letzten Anpassung im Januar 2009 nicht gestiegen und der Index der Konsumentenpreise ist seit 2008 sogar leicht rückläufig.

Revisionen

Seit ihrer Einführung im Jahr 1984 hat die UV keine Revision erfahren.

Per 1. Januar 2008 wurde der Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes von CHF 106‘800 auf CHF 126‘000 angehoben.

Im November 2006 hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Vernehmlassungsvorlage – in zwei Paketen – zur Beratung im Parlament erarbeitet. Die Vorlage «Anpassung des UVG an die Erfordernisse einer modernen Sozialversicherung» befasste sich mit den folgenden Punkten: Leistungen, Fragen der Finanzierung und organisatorische Fragen, welche sowohl die Versicherer nach Artikel 68 wie auch die Suva betrafen, Unfallverhütung, weitere Fragen technischer Natur. Die zweite Vorlage befasste sich mit der «Revision der Organisation der SUVA und der Verankerung der Unfallversicherung arbeitsloser Personen (UVAL)».

Im Mai 2008 hatte der Bundesrat die Botschaft zur Revision des Unfallversicherungsgesetzes verabschiedet und unter anderem folgende Änderungen vorgeschlagen:

  • Die Invalidenrenten werden bei Erreichen des AHV-Alters in Abhängigkeit vom Unfalljahr gekürzt. Damit werden Bezüger von Invalidenrenten der UV den übrigen Arbeitnehmenden gleichgestellt.
  • Die Medizinaltarife der UV werden mit denjenigen der Krankenversicherung harmonisiert.
  • Die Aufsicht über die UVG-Versicherer wird verstärkt und
  • für die öffentlichen Verwaltungen wird die Möglichkeit geschaffen, alle drei Jahre zwischen der Suva und den anderen Versicherern neu zu wählen.

Nach einer langwierigen und kontroversen Beratung im Parlament haben National- und Ständerat im Jahr 2010 die Vorlage zur Überarbeitung an den Bundesrat zurückgewiesen.

FAQ

Wo bekomme ich allgemeine Informationen zur UV?
Auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit unter der Rubrik «Unfallversicherung»: www.bag.admin.ch

Viele Informationen zur UV und zu den Themen Arbeitssicherheit und Prävention finden Sie ebenfalls auf der Website der Suva: www.suva.ch

Wo bekomme ich Informationen für mein spezifisches Anliegen?
Wenden Sie sich an Ihre Unfallversicherung. Über Ihren Arbeitgeber bekommen Sie die Kontaktdaten.

Wann und wo mache ich Leistungen geltend?
Es ist sofort eine Unfallmeldung beim Arbeitgeber zu machen, der seinerseits die Unfallversicherung informiert. Arbeitslose Personen melden den Unfall umgehend der Arbeitslosenkasse oder der Suva.

Wie berechnet sich das Taggeld?
Versicherter Jahresverdienst mal 80%, dividiert durch 365 Tage = Taggeld. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Taggeld entsprechend gekürzt.

Gibt es einen Selbstbehalt bei Arztrechnungen?
Nein, den gibt es nicht.

Wie bin ich im Spital versichert?
Die gesetzliche Deckung umfasst die Heilbehandlung in der allgemeinen Abteilung. Es steht dem Arbeitgeber frei, für sein Personal eine Zusatzversicherung für die Halbprivat- oder Privatabteilung abzuschliessen. Ebenso können Sie auf freiwilliger Basis bei der Krankenkasse oder einer Versicherung eine solche Zusatzdeckung versichern.

Was ist ein Wagnis?
Wagnisse sind Risiken, die das im alltäglichen Leben gewohnte Mass deutlich übersteigen (z.B. Autorennen). Hier kann der Unfallversicherer bei einem Nichtberufsunfall seine Geldleistungen kürzen oder ganz verweigern.

Bin ich auch im Ausland gegen Unfall versichert?
Ja, der Versicherungsschutz ist weltweit gültig. Es gibt jedoch Einschränkungen bei der Kostenübernahme, da höchstens die doppelten Kosten einer notwendigen Behandlung vergütet werden, die in der Schweiz entstanden wären. Eine private Zusatzversicherung kann für Auslandaufenthalte abgeschlossen werden.

Ich habe gekündigt und gehe auf eine Weltreise. Kann ich die UV weiterführen?
Ja. Mit einer freiwillig abzuschliessenden «Abredeversicherung» können Sie die UV während längstens 180 Tagen beim bisherigen betrieblichen Unfallversicherer weiterführen. Die Prämien, meistens CHF 25 pro Monat, gehen zu ihren Lasten und sind im Voraus zu entrichten.

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